Geflüchtete Ärzte: Schwierigkeiten und Hürden

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Ärzte, die jahrelang nicht praktizieren können: Das ist Alltag in Deutschland. Denn bevor Stethoskop oder Rezeptblock in die Hand genommen werden können, müssen zuvor hier hin geflüchtete Mediziner eine Reihe Anerkennung einholen und Prüfungen bestehen. Manche dieser Überprüfungen machen in der Form jedoch gar keinen Sinn und sind unnötige bürokratische Hürden. Eine Problemaufnahme und praktische Gegenvorschläge.

„Ich war schockiert, als ich von einem Freund erfuhr, der zwei Jahre vor mir in Deutschland ankam, dass er seine Approbation immer noch nicht erteilt bekommen hat. Hier wurde mir bewusst, dass mich viele Herausforderungen erwarten und ich fing an, mich selbst zu fragen: Werde ich es jemals schaffen, diesen Beruf auszuüben, dem ich lange Jahre meines Lebens gewidmet habe?“

Dies sagte der syrische Arzt W.R., der vor etwa zwei Jahren in Deutschland angekommen ist. Seine Worte waren mir in der Tat nicht fremd, weil ich auch ein Arzt bin und genau verstehen kann, was er sagt. Dies ist das Gefühl der meisten Ärzte, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Es ist nachvollziehbar, dass die medizinischen Berufe in jedem Land bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, um die Gründlichkeit und die Qualität dieses Berufes zu gewährleisten. Es ist aber nicht nachvollziehbar, dass diese Voraussetzungen eine Arbeitsbarriere für Ärzte sind, die sie an der Ausübung ihres Berufes und ihrer Integration auf dem Arbeitsmarkt für eine lange Zeit hindern. Die herkömmlichen Bedingungen für die Ausübung der medizinischen Berufe sind die Sprachkenntnisse, die wissenschaftlichen Kenntnisse und die praktische Erfahrung. In anderen Worten: Für eine Zulassung als Arzt müssten die Echtheit des vorliegenden medizinischen Ausbildungszeugnisses sowie die Zeugnisse der praktischen Erfahrung überprüft werden. Auch wenn sich alle über das vorgenannte Prozedere einig sind, liegen die Probleme in den Details.

Wenn wir beispielsweise die Bedingung der Ratifizierung aller Zeugnisse durch das syrische Außenministerium und die deutsche Botschaft in Damaskus oder Beirut betrachten, stellen wir fest, dass die deutsche Botschaft in Damaskus geschlossen wurde und die deutsche Botschaft in Beirut die Ratifizierung von Zeugnissen gestoppt hat. Welche Alternative bietet sich hier an? Und warum bleibt die Voraussetzung der Ratifizierung der Zeugnisse durch die Botschaft in Beirut, obwohl sie sich weigert, die Zeugnisse zu ratifizieren?

Und somit gelten die Ärzte, die ihre Zeugnisse nicht von der deutschen Botschaft in Beirut beglaubigen ließen – was für die Mehrheit der syrischen Ärzte gilt – als Personen, die bloß behaupten Ärzte zu sein, ohne dies belegen zu können. Dies bedeutet wiederrum, dass sie die Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren müssen.

Probleme bei der Gleichwertigkeitsprüfung

1. Bei dieser Prüfung handelt es sich um einen Test in der Allgemeinmedizin. Die Mehrheit der syrischen Ärzte hatte diese Prüfung bereits in Syrien bestanden, da sie oder zumindest viele von ihnen Spezialisten in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen sind – wie Neurologie, Ophthalmologie und Orthopädische Chirurgie. Diese Spezialisierung haben sie erst nach einem Studium und einem Praktikum von nicht weniger als vier Jahren erworben. Viele von ihnen arbeiteten sogar für lange Jahre in ihren Fachgebieten, bevor sie nach Deutschland gekommen sind. Daraus leitet sich die Frage ab: Welcher Sinn hat eine erneute Prüfung in der Allgemeinmedizin für diese Fachärzte? Und welchen Nutzen kommt dem medizinischen Bereich zu, wenn zum Beispiel ein Neurologe in den Fachgebieten Chirurgie und Anästhesie geprüft wird?

2. Diese Gleichwertigkeitsprüfung bedarf Vorbereitungen in medizinischen Instituten. Diese Vorbereitungen dauern mindestens sechs Monate. Des Weiteren ist es nötig, einen Platz in einem dieser Institute zu finden – verbunden mit hohen Kosten und einer Wartezeit, die zwischen drei und sechs Monaten liegt.

Dazu kommen fast ein Jahr für den Erhalt eines Sprachzertifikats und eine Wartezeit von mindestens einem halben Jahr, um einen Platz in der Sprachschule zu bekommen. Dies bedeutet, dass die Ärzte fast zwei Jahre von der medizinischen Praxis ferngehalten werden. Was wiederrum zu einem Rückgang ihrer medizinischen Kenntnisse und praktischen Erfahrung führt. Ferner bleiben die Ärzte für diese Zeit erwerbslos und sind gänzlich auf soziale Unterstützung angewiesen statt produktiv zu sein.

Und hier wird das Problem deutlich. Es gibt keine Alternative, die den Ärzten diesen langen Weg erspart, der Zeit, Geld und Erfahrung kostet. Dieses Problem der Verfahrensverzögerung beginnt mit dem Warten der Ärzte auf Genehmigungen zur Sprachkursteilnahme und einem Ausbildungsplatz an medizinischen Instituten und hält an, bis die ganzen Unterlagen der Ärzte von der zuständigen Behörde überprüft wurden. Und mit der Wiederholung der Wartezeiten bei diesen Verfahren bleiben die Ärzte für zwei oder drei Jahre ohne Arbeit oder medizinische Praxis.

Praktische Vorschläge

1. Alternative Optionen, um die Gültigkeit und Korrektheit der Abschlusszeugnisse zu überprüfen, ohne diese von der deutschen Botschaft in Beirut ratifizieren zu müssen. Ein möglicher Weg könnte beispielsweise sein, dass die Zeugnisse, die von EU-Ländern verliehen wurden, vor allem denjenigen, die der „Union Européenne des Médecins Spécialistes“ (UEMS) ausgestellt hat, anerkannt werden. Die UEMS genießt als die oberste medizinische Autorität ohnehin eine große Glaubwürdigkeit in der Europäischen Union.

2. Die Beauftragung eines oder einiger der international anerkannten Unternehmen zur Überprüfung und Dokumentierung der Echtheit der akademischen Zeugnisse. Diese Unternehmen, wie zum Beispiel Dataflow, stellen die Korrektheit der Zeugnisse sicher und genießen international hohe Glaubwürdigkeit.

3. Die Anerkennung der Ratifizierung der deutschen Botschaft in jedem anderen Land, anstatt nur durch die deutsche Botschaft im Libanon.

4. Die Änderung der Methode der medizinischen Gleichwertigkeitsprüfung: Die Ärzte lassen sich von Prüfungsausschüssen, die sich aus Spezialisten im jeweiligen Fachgebiet zusammensetzen, auf theoretisches Fachwissen und Kenntnisse testen. Wenn die Ärzte diesen Test bestanden haben, werden ihre praktischen Erfahrungen in den klinischen Untersuchungen, Diagnostik und Behandlung geprüft. Bei erfolgreicher Absolvierung dieser Tests, wird die Approbation erteilt und sie dürfen somit Arbeitsstellen suchen, um ihren Beruf auszuüben. Dieses Verfahren ersetzt somit eine Prüfung in der Allgemeinmedizin, die den Ärzten nicht von Nutzen ist.

5. Den Ärzten erlauben, ihre Abschlusszeugnisse zur Lizenzierung unter dem Vorbehalt einzureichen, dass sie erst nach der Vorlage des Sprachkursabschlusszertifikats die Approbation erhalten. Diese Alternative erspart den Ärzten eine Wartezeit, die zwischen sechs und 12 Monaten liegt.

6. Beschleunigung der Approbations- und Arbeitsgenehmigungsverfahren für die Ärzte durch schnellere Überprüfung der Unterlagen und schnellere Erteilung der Approbationen.

Zaher Alsalama

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