Dem Tod entronnen und doch ohne Perspektive: Syrische Geflüchtete in Marokko

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Um den Schrecken des Krieges und dem Gespenst der Todesboote in den griechisch-türkischen Gewässern zu entkommen, sehen sich die syrischen Geflüchteten gezwungen, an die Türen anderer Länder zu klopfen, um eine sichere Bleibe zu suchen oder um nach Europa zu gelangen. Der Weg über Nordafrika ist jedoch gespickt mit Hürden: Profitorientierte SchlepperInnen, fehlende Unterstützung und streng bewachte Grenzen erschweren den Menschen die Flucht.

Melilla, eine Exklave Spaniens, die nördlich von Marokko liegt, wird von vielen Geflüchteten als Tor nach Europa betrachtet. Allerdings kollidieren ihre Träume mit der harten Realität und sie bleiben vor der Stadt für Monate gefangen. Um dieses Tor überhaupt zu erreichen, mussten die syrischen Geflüchteten bereits eine lange Strecke zurücklegen – gestartet von der Türkei über Algerien bis nach Marokko.

Bereits im Jahr 2013 wurde eine große Zahl von syrischen Geflüchteten in Algerien registriert. Dies beruhte vor allem auf der Tatsache, dass die algerische Regierung ihnen eine visumfreie Einreise ermöglichte. Leider wurde diese Entscheidung aber später aufgehoben. Nur wenige Geflüchtete blieben in Algerien. Von den insgesamt 43.000 syrischen Geflüchteten waren Ende 2015 nur noch 5.700 Geflüchtete in Algerien.

Weil die marokkanische Regierung den SyrerInnen kein Visum erteilt, reisen sie illegal nach Marokko weiter und werden dabei von VermittlerInnen und SchlepperInnen – auch als MenschenhändlerInnen bezeichnet – ausgenutzt. Einige der Geflüchteten entscheiden sich, in Marokko zu bleiben, andere setzen ihren Weg nach Europa fort. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) gewährt syrischen Geflüchteten nur geringe Geldbeträge, die kaum zur Sicherung des Überlebens ausreichen. Auch der marokkanische Staat ergriff Ad-hoc-Maßnahmen zur Versorgung der Geflüchteten, von denen gemäß einer Bekanntgabe des marokkanischen Innenministeriums etwa 18.000 Menschen profitieren sollten, darunter 5.250 SyrerInnen.

Wer sich dazu entschließt, seinen Weg in Richtung Europa fortzusetzen, wird mit einer anderen Art von Hürde konfrontiert. Tausende Geflüchtete
begeben sich in Richtung Nador, eine marokkanische Stadt an der Grenze zur spanischen Exklave Melilla. Von dort aus versuchen sie den Grenzübergang Bany Ansar, der die beiden Städte trennt, zu durchbrechen. Die Überwindung dieses Grenzübergangs hat sich wegen der strengen Bewachung durch die marokkanische Polizei aber als schwierig erwiesen. Dadurch werden zehntausende Geflüchtete gezwungen, oft wochenlang vor dem Grenzübergang auszuharren. Bei dem Versuch, den drei bis sechs Meter hohen Stacheldrahtzaun zu überwinden, starben mindestens 14 Geflüchtete in den vergangenen Jahren. Nur wenige Geflüchtete schaffen es über die Grenzanlagen, so etwa bei einem Grenzdurchbruch im Februar 2014 durch 200 Menschen.

Ein weiterer Teil von ihnen begibt sich in die Hände von SchlepperInnen. Die MenschenhändlerInnen nutzen häufig die schwierige Situation der Geflüchteten aus und verlangen sehr hohe Geldbeträge – bis zu 1.500 Euro pro Person. In der Stadt Melilla werden die Geflüchteten in Abschiebezentren empfangen, die Gefängnissen gleichen. In diesen militärisch kontrollierten Zentren leben mehrere tausend Geflüchtete,
darunter etwa 600 SyrerInnen, in Zelten und Zimmern, die doppelt so viele Menschen beherbergen, als es ihre eigentliche Kapazität erlaubt.
Die Lebensbedingungen sind katastrophal. Die Geflüchteten berichten über extreme hygienische Mängel, die Ausbreitung von Krankheiten und
Diebstähle. Hinzu kommt die ihnen entgegen gebrachte Verachtung. Wem die Weiterreise nicht bald gelingt, droht spätestens dann, wenn die finanziellen Reserven komplett aufgebracht sind, eine unaushaltbare Situation und unerträgliche Perspektivlosigkeit.

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